Bikepacking

Teilen
Bikepacking

Münster. Berlin. Hamburg. Eine Schnapsidee.

September 2024. Steffi und ich, eine Woche frei, gutes Wetter. Die Frage: was machen wir? Die Antwort kam schnell. Wir fahren einfach mit dem Rad nach Berlin.

Der Rückweg war die nächste Frage. Mit dem Zug nach Hause hatte keiner Lust. Also umdisponiert: von Berlin weiter nach Hamburg, dann Zug. Knapp 1000 Kilometer. Plan stand.


Gepäck war das erste Problem. Mit den Erfahrungen aus Italien hätte ich es besser wissen müssen. Kamera-Equipment, Laptop, iPad, Kaffeemühle, Gaskocher, zwei Tassen. Ich hatte viel zu viel dabei. Aber egal, die erste Etappe bis kurz vor Hannover war flach, das Wetter gut, die Stimmung besser.

Am nächsten Morgen wurden wir vom Hahn geweckt. Der hat alles gegeben. Ich habe ihn erstmal fotografiert.

Über Hannover, wo gerade Marathon war, weiter nach Königslutter am Elm. Dann Richtung Magdeburg. Die Etappe war brutal heiß, ellenlange Straßen, ostdeutsche Plattenwege, Sonne ohne Ende.

Dann schlug das Wetter um. Von Magdeburg nach Genthin, Regen, und die Entscheidung: Zug bis Potsdam. Nicht aufgeben, aber auch nicht stur sein. Das Ziel war klar: wir fahren mit dem Rad ans Brandenburger Tor. Das war nicht verhandelbar.

Nass, durchgefroren, triefend. Brandenburger Tor. Geschafft.

Die AirBnB-Wohnung war noch nicht frei. Also Subway, aufwärmen, essen, warten. Irgendwo zwischen Triumph und Unterkühlung.


Berlin war dann Erholung. Museen, gutes Wetter, Stadt genießen.

Von Berlin nach Hamburg lernten wir die DDR-Plattenweg-Taxonomie kennen. Platten mit kleinem Abstand. Platten mit großem Abstand. Kaputte Platten. Unterschiedlich hohe Platten. Ein Gerüttel und Geschüttel das manchmal schön war und manchmal einfach nur anstrengend.

Was mich wirklich nachdenklich gemacht hat: die alten Grenztürme. Die stehen noch, mitten in der Landschaft, irgendwo in der Pampa. Man fährt daran vorbei und versucht zu begreifen dass das Land hier geteilt war. Dass Grenzbeamten hier patrouilliert haben. Dass Menschen hier nicht raus durften. In dieser Stille, auf diesem Radweg, mitten in Feldern und weiten Flächen, war das schwerer zu verstehen als in jedem Museum.

Die Kraniche waren auch da.


Kaffeestopps waren eine Herausforderung. Viele Dörfer ausgestorben, kein Café, manchmal Glück, manchmal nicht. Man lernt Kaffee zu schätzen wenn er nicht selbstverständlich ist.

Hamburg. Seemannsheim direkt am Michel, mitten im Zentrum. Steffi war am Ende, völlig leer.

Ich habe die Kamera geschnappt und bin zur Elbphilharmonie und in den Hafen. Wenn man schon mal da ist.

Dann Zug nach Hause. Müde und zufrieden.


Weiterlesen